24. Januar, 2008...11:01 Uhr vormittags
Protest gegen Gentechnik im Aufwind
Die Initiative „Gendreck-weg – für eine kleinbäuerliche Landwirtschaft“ fordert ein Anbauverbot für alle gentechnisch
veränderten Pflanzen. Hintergrund ist die heutige Abstimmung über das neue Gentechnikgesetz im Bundestag. Das Verwaltungsgericht in Frankfurt a.d. Oder verurteilte ebenfalls heute das Vorgehen der Polizei gegen Gentechnikgegner im Jahre 2005. Die Initiative sieht sich dadurch in ihrem zivilen Ungehorsam gegen den Anbau von Gentech-Saatgut beststätigt.
Offizielle Debatte enttäuschend
PM: Der Berufsimker und Gentechnikgegner Michael Grolm ist über den Verlauf der Debatte enttäuscht: „Das vorgeschlagene Gentechnikgesetz schützt uns nicht vor der Risikotechnologie Gentechnik! Es wurde geschrieben von einer Regierung, die den Gentec-Konzernen gefallen will. Deshalb sehen wir es als Akt der Selbstverteidigung an, GVO-Felder von der schädlichen Saat zu befreien. Bereits 400 Menschen haben mit öffentlichen Absichtserklärungen angekündigt, Genmais der Sorte MON810 unschädlich zu machen. Das sind mehr Menschen als in den Jahren
zuvor – und das schon vor Beginn der Anbausaison“.
„Erfahrungen aus Kanada und den USA haben gezeigt, dass eine so genannte Koexistenz gentechnikfreier und gentechniknutzender Landwirtschaft nicht funktioniert. Eine schleichende Kontamination ist vorprogrammiert – und von den Gentechnikfirmen gewollt“, erklärte Mirjam Anschütz von Gendreck-weg. Seit 1996 wird in Kanada gentechnisch veränderter Raps angebaut. Nach 12 Jahren ist es dort heute nicht mehr möglich, gentechnikfreien Raps zu ernten. Aber nicht nur Raps lässt sich in Kanada nicht mehr gentechnikfrei anbauen, sondern auch sämtliche zur Brassica-Familie gehörenden Kohlarten, die durch Auskreuzung kontaminiert werden.
„Um unsere Landwirtschaft und Imkerei wirksam vor gentechnischen Verunreinigungen zu schützen, müssen der Anbau von GVO`s (gentechnisch veränderten Organismen) sowie sämtliche Freisetzungsversuche verboten werden“, forderte Mirjam Anschütz.
Dass ein Anbauverbot möglich ist, beweist Griechenland, wo sowohl der Anbau als auch der Import und sogar der Transit gentechnisch veränderter Organismen durch Griechenland verboten sind. Auch der französische Nachbar zeigt, dass die EU-Freisetzungsrichtlinie für Genpflanzen Raum bietet, diese Risikotechnologie von den Feldern zu verbannen. Nach einem Hungerstreik französischer Gentechnikgegner und auf Grund von ernsten Zweifeln eines von der französischen Regierung einberufenen Expertengremiums gilt dort ein Anbau-Moratorium für den Mais MON810. Da dies die bislang einzige für den Anbau zugelassene Gentechnikpflanze in der EU ist, ist Frankreich damit gentechnikfrei – abgesehen von Versuchsflächen.

Gericht verurteilt rechtswidriges Vorgehen der Polizei gegen Feldbefreier
PM: Der Gentechnikgegner Carsten Orth hatte 2005 an der ersten öffentlich angekündigten freiwilligen Feldbefreiung in Brandenburg teilgenommen. Als er zusammen mit etwa zweihundert anderen Demonstranten versuchte, das Genmaisfeld des Bauern Piprek zu erreichen, wurde er von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Was dann geschah, verurteilte das Verwaltungsgericht in Frankfurt a.d. heute als rechtswidrig: Die Polizei brachte die Gentechnikgegner auf den
Hof des Mais-Anbauers und hielt sie dort viele Stunden lang fest. Im Anschluss sprachen die Beamten Aufenthaltsverbote gegen jeden Beteiligten aus.
Carsten Orth: “Bis heute beschützt die Polizei die Genmaisfelder vor den Menschen anstatt die Menschen vor den Genmaisfeldern. Ich bin aber froh, dass das Gericht in Frankfurt mit seinem heutigen Urteil deutlich gemacht hat, dass die Polizei auch bei ihren Einsätzen gegen Gentechnikgegner die Spielregeln einzuhalten hat. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen sich das für die Zukunft merken.”
Da dem Kläger auf ganzer Linie Recht gegeben wurde, hat das Land die Kosten des Verfahrens zu tragen. Carsten Orth: “Ich werde mich weiter entschieden gegen Monsantos gefährliche Saat wehren. Die Gentechnik auf den Feldern gefährdet unser aller Zukunft. Die Bundesregierung aber muss einsehen, dass sie den Konflikt um die Gentechnik nicht lösen kann, indem sie die Polizei ins Feld schickt. Sie muss selber handeln und den
Anbau gentechnischer Pflanzen verbieten.”
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1 Kommentar
28. Januar, 2008 um 7:42 Uhr nachmittags
Ich bin immer etwas zwiegespalten bei dem Thema Gentechnik. Einerseits fürchte ich mir vor den Folgen, welche bisher noch nicht wirklich bekannt bzw. abzuschätzen sind. Aber andererseits denke ich mir, wenn eine Pflanze durch eine Art “Doping” doppelt soviel Ertrag abwirft könnte das für uns in einigen Jahrzehnten die Rettung im immer größer werdenden Nahrungsmittelkampf.
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