13. Februar, 2008...8:55 Uhr nachmittags
Mindestlohn – Eine Lösung oder doch nur ein Almosen?
Mindestlohn. Kommt er nun auch flächendeckend in Deutschland? In 20 von 27 europäischen Staaten gibt es schon einen. Teilweise acht bis neun Euro. Und die Arbeitslosigkeit nimmt dort oftmals trotzdem ab.
Mit der Einführung des Mindestlohns in der Briefdienstleistungsbranche scheint er in Reichweite. Von ver.di mit einer eigenen Kampagne gefordert; von der Linkspartei und mittlerweile auch von der SPD. Nur die CDU/CSU und die FDP sträuben sich dagegen. Arbeitgeberverbände und BDI warnen vor Jobverlusten, Verlagerungen ins Ausland, Investitionsrückgänge und abnehmendem Wachstum. Vielleicht fürchten sie auch nur, einen etwas kleineren Teil des Umsatzes auf ihrer Seite verbuchen zu können.
Doch ist der Mindestlohn wirklich eine Lösung für die zunehmende Ungleichverteilung in der Gesellschaft? Wird damit nicht eine Rechtfertigung geschaffen, bisher noch höhere Löhne bis auf das gesetzliche Minimum abzusenken? Die Höhe eines Mindestlohns entscheidet, ob er wirklich eine Verbesserung für Menschen im Niedriglohnsektor bringt – oder ob er es noch schlimmer macht.
Mehr Geld – ein richtiger Schritt
„Die Löhne sinken seit Jahren, die Willkür der Unternehmer wächst und wächst. Höchste Zeit, dass wenigstens ein Mindestlohn gefordert wird.“ Das schreibt Jungle-World Autor Winfried Rust in der Ausgabe der Wochenzeitung Jungle World vom 31. Januar. Anja Schöner von Radio Dreyeckland unterhielt sich mit ihm. Interview (Player öffnet sich bei Mouse-over)
Gegen die Realpolitik – Mindestlohn ist keine Lösung
Holger Zweifeld von Radio Z hatte Dr. Peter Decker am Telefon, Redakteur der politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt. Ein Gespräch über eine Ordnung, in der das Existenzminimum schon erkämpft werden muss; über den Staat, den am Niedriglohn höchstens stört, dass er aus seiner Tasche aufgestockt werden muss; und auch über linken Realismus. Interview (Player öffnet sich bei Mouse-over)
Die Gewerkschaften brauchen eine Erneuerung
Arbeitnehmerorganisationen, also Gewerkschaften müssen wieder schlagkräftiger werden. Die Forderung nach einem Mindestlohn sagt einiges über das Kräfteverhältnis in der Gesellschaft aus. Um etwas gegen die soziale Ungleichheit tun zu können, müssten sich die Gewerkschaften neu ausrichten, meint Matthias, ein Betriebsrat der IG Metall in Stuttgart. Stefan Zimmer sprach mit ihm am Rande einer Veranstaltung zu prekärer Arbeit, während des Alternativgipfels in Rostock 2007.
audio 6:56 min (Player öffnet sich bei Mouse-over)
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