15. Februar, 2008...11:58 Uhr nachmittags
Berlinale 2008 – Mir reichts… nicht!
Der Berlinale Palast hinter dem Potsdamer Platz am Freitag Abend. Hunderte Filmfans stehen in der Kälte, frieren und warten auf die Stars. Auf dem Programm steht “Die Schwester der Königin” mit Natalie Portman und Scarlett Johansson. Es geht um zwei Frauen, Intrigen, Einfluss und Macht. Vor dem Berlinale Palast trennen
Polizisten und Portiers in altertümlichen Mänteln die Schönen und Reichen vom gemeinen Pöbel. Fast erinnert die Szene an Bilder aus einem Historienfilm, wenn der König zu seinen Untertanen spricht…
Doch plötzlich halten einige Zuschauer Schilder mit Sprechblasen hoch: Scheiß Praktika, Mir reichts… nicht oder Glamour will ich mir leisten können steht darauf. Auf der gegenüberliegenden Seite, direkt neben dem Haupteingang steht eine Großbildleinwand. Dort sieht man die bejubelten VIP´s, wie sie über den Roten Teppich laufen. Auch hier tauchen nun zwei als Superhelden verkleidete Prekäre auf, die ein Transparent über der Leinwand entrollen und Glückskeckse ins Publikum werfen.

Die Aktion ist Teil der Kampagne “Mir reichts… nicht” gegen die prekären Arbeitsbedinungen der vielen Dienstleister, Kartenabreiserinnen, Toilettenfrauen und Bühnenarbeiter. “400 Euro im Monat sind nicht gerade existenzsichernd. Da muss man schon im Sommer jobben, um im Winter bei der Berlinale arbeiten zu können. Oder Geld von den Eltern bekommen. Dennoch sind die Praktika bei der Berlinale beliebt. Die Arbeit ist interessant und anspruchsvoll und vielleicht auch ein bisschen glamourös,” schreibt die Kampagne auf ihrer Website.

Das Filmfestival haben die AktivistInnen bewusst ausgesucht – der Medienaufmerksamkeit wegen. Zum Auftakt der Berlinale hatten sie eine Gala der Prekären veranstaltet, die in einigen Zeitungsberichten Widerhall fand. Thema sind die Arbeits- und Lebensbedingungen in der gesamten Kulturbranche. So gab es auch in den letzten Monaten bereits Aktionen während der Documenta und auf dem ver.di Bundeskongress. Die vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ist für die Menschen in der Filmbranche, den Medien und der Werbung zuständig.
Prekär arbeiten in diesem Bereich besonders viele. Immer in der Hoffnung auf eine Festanstellung oder Aufstieg in die VIP-Welt. Dass es solche Aktionen wie vor dem Berlinale Palast überhaupt noch gibt, lässt hoffen, dass es wie in den Ritterfilmen am Ende ein Happy End geben wird und sich die Bevölkerung von ihren ausbeutenden Despoten befreit. Wenn die Welt doch nur so einfach wäre, wie in einem Blockbaster…
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2 Kommentare
17. Februar, 2008 um 11:19 Uhr vormittags
[...] on this story here Updated [...]
17. Februar, 2008 um 5:28 Uhr nachmittags
[...] noch einmal bestätigen zu lassen, dass PraktikatInnen-Dasein jedweder Coleur kein ökonomisch-strukturelles, sondern ein komplexes, multikausales Geflecht aus [...]
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