PM: Wo schon bald gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen sollen, flattern Transparente mit Parolen gegen Gentechnik im Wind. Seit heute Nacht ist das Gengerstenfeld in Gießen am Alten Steinbacher Weg besetzt.

Mit einer aufwendigen Blockadetechnik versuchen GentechnikgegnerInnen, das dritte Jahr des umstrittenen Versuchs ganz zu verhindern. Mitten auf der geplanten Versuchsparzelle errichteten sie einen dreibeinigen Turm (sog. „Tripod“), auf dem sich klettererfahrene AktivistInnen angekettet haben. Darunter steht ein speziell für diese Aktion gebauter Betonklotz mit Ankettrohren („Lock-on“). Die darin befestigten Personen sind zusätzlich im Boden verankert, so dass der Klotz auch von schweren Maschinen nicht ohne Verletzungsgefahr gehoben werden kann. Rundherum verkünden Schilder, dass hier nun eine „Gentechnikfreie Zone“ eingerichtet wurde.
„Wenn die Universität auf ihre Risikospielchen mit den profitorientierten Technologien verzichtet, könnte Hessen erneut gentechnikfrei werden – und zwar richtig“, formuliert eine Besetzerin ihre Hoffnung.
„2006 und 2007 wurde das Feld nach der Aussaat attackiert. Dieses Jahr wollen wir mehr – die gefährliche Saat soll
gar nicht hier draußen landen“, ist von den BesetzerInnen zu hören. Wie lange die Besetzung andauern wird, ist zur Stunde offen. Auf jeden Fall bieten Turm und Boden-Lockon schon jetzt ein spektakuläres Bild direkt neben der Universitätsbibliothek – gut sichtbar von den daran vorbeiführenden Straßen.
Das nun besetzte Feld ist einer der Standorte in Deutschland, auf denen teure, riskante und dem Profit weniger Konzerne und Karrieristen dienende Freisetzungsversuche laufen sollen. Ziel ist, neben den bereits für den Großflächenanbau freigegebenen Sorten wie dem Mon810-Mais weitere Sorten zu entwickeln, zu patentieren und
dann profitabel verkaufen zu können. In Gießen am Alten Steinbacher Weg sollen zwei Gerstenlinien ausgebracht werden, die insgesamt vier fremde Gene enthalten. Neben der Entwicklung neuer Sorten sollen
hier auch Methoden zur Manipulation von Pflanzengenen entwickelt werden, haben die BesetzerInnen im Vorfeld ihrer Aktion recherchiert.

Die vom Versuchsleiter benannte Biosicherheitsforschung sei vorgeschoben, um die wahren Versuchsziele zu vertuschen. „Wir haben dieses Feld als Symbol ausgewählt, weil es ein schillerndes Beispiel für eine verlogene
Propaganda um scheinbare Biosicherheit und unabhängige Forschung ist. Zudem ist Gießen im Westen die Stadt mit den meisten und riskantesten Genversuchen. Der Filz aus Universität und Stadtpolitik bis hinein in Parteien und Verbände verhindert aber einen breiten Protest“, begründen die FeldbesetzerInnen den nächtlichen Aufbau
ihres kleinen Widerstandsdorfes.
Am 5. April wollen sie an der von GentechnikgegnerInnen in Gießen geplanten Demonstration teilnehmen, die unter anderem zu dem jetzt besetzten Genfeld führen soll (Beginn: Samstag, 5.4., 15
Uhr auf dem Brandplatz in Gießen).
Ein Interview mit einem der FeldbefreierInnen führte Radio Corax.
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