8. März, 2009...5:35

Krise ohne Ende

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Die Krise kennt kein Ende. Es sieht immer mehr danach aus, als wäre der heftige Absturz der Finanzmärkte und Einbruch der Realwirtschaft der letzten Monate erst der Anfang. Gleichzeitig ist sie aber immer noch nicht wirklich bei den Menschen angekommen. Die ersten Leiharbeiter hat es getroffen, manche Metaller arbeiten kurz, aber das Groß der Bevölkerung spürt die Krise noch nicht am eigenen Leib. Ist das ein Grund, weshalb man immer noch das Gefühl hat, das trifft ja nur die da oben. „Was hab ich mit Aktienpaketen zu tun?“ Ganz nach dem Motto: „mein Geld kommt doch aus dem Automaten, was stört mich die Pleite von irgend so einer Bank, deren Namen ich vorher noch nie gehört habe?“

Und was werden die Menschen tun, wenn es ihnen auch ökonomisch an den Kragen geht? Die Hoffnung mancher Aktivisten bei Attac, der Interventionistischen Linken oder anderen Gruppierungen aus den sozialen Bewegungen, ist gut. Denn würde man nicht mal mehr darauf hoffen, dass die Krise viele Menschen zu einem positiven Umdenken bringt, dann könnte man als emanzipatorisch denkender Mensch ja gleich auswandern.

revolutionssupermarkt

Die Gefahr scheint jedoch groß zu sein, dass große Teile der Bevölkerung eher mit faschistoiden Reflexen auf die persönliche Krise antworten werden. Wie jetzt bereits in Groß Britannien und Italien Stimung gegen Arbeitsmigranten gemacht wird, zeigt bereits, wohin es auch in vielen anderen Staaten des Westens gehen könnte.

Hoffnung könnte man dagegen aus der guten Beteiligung an dem Kapitalismus-Kongress in Berlin schöpfen, den Attac am Wochenende veranstaltete. Interesse an demokratischeren Alternativen zum bestehenden Kapitalismus ist da. Aber ob dieses Interesse über die üblichen Verdächtigen aus den sozialen Bewegungen hinausreicht, wird sich erst während der geplanten Proteste diesen Sommer zeigen…

PM: Als riesigen Erfolg wertet das globalisierungskritische Netzwerk Attac seinen Kongress „Kapitalismus am Ende?“, der am Sonntag mit 2500 Teilnehmern in Berlin zu Ende gegangen ist. Attac hatte ursprünglich mit 1000 Besuchern gerechnet. „Dieser enorme Andrang zeigt, wie sehr den Menschen die Frage nach Alternativen zu unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem auf den Nägeln brennt“, sagte Peter Wahl, Attac-Mitgründer und Mitorganisator des Kongresses. Klar sei, dass die gegenwärtige Krise kein Betriebsunfall ist, sondern im System selbst wurzelt. „Das herrschende Leitbild, dass Markt und Private angeblich alles besser können, liegt am Boden. Notwendig sind grundsätzliche Veränderungen unseres Wirtschaftssystems. Wir brauchen eine demokratische Ökonomie, die Mensch und Umwelt ins Zentrum stellt, nicht den Profit einiger weniger“, sagte Peter Wahl.

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Unabhängig von der Frage, ob und in welchem Umfang Marktwirtschaft sinnvoll sei, gebe es einen breiten Konsens, dass Märkte und Kapital endlich demokratisch begrenzt, reguliert und kontrolliert werden müssen. Die Diktatur der maximalen Rendite müsse beendet werden. Voraussetzung dafür sei das drastische Schrumpfen der Finanzmärkte. Die Reichtümer weltweit seien umzuverteilen: von oben nach unten und von Nord nach Süd. Notwendig sei eine neue Weltfinanzordnung unter dem Dach der UNO, die fairen Handel und Entwicklung unterstützt sowie die ökologische Wende einleitet. Peter Wahl: „Der Attac-Kongress hat gezeigt: Die beste Lösung kommt nicht von so genannten Wirtschaftsweisen, sondern aus dem demokratischen Ringen um Argumente und Alternativen.“

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Attac kündigte eine breite Mobilisierung für eine soziale und ökologische Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise und einen echten Systemwechsel an. „Wir werden die Energie der Debatten in den nächsten Wochen und Diskussion tragen“, sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise! Für eine solidarische Gesellschaft“ ruft Attac zu Demonstrationen am 28. März in Berlin und Frankfurt am Main auf. Attac wird die Demonstrationen der Gewerkschaften am 1.und 16. Mai unterstützen sowie die bundesweiten Bildungsproteste im Juni. Vom 24. bis 26. April sucht der von Attac mit organisierte Kongress McPlanet in Berlin unter dem Motto „Game over. Neustart“ nach Antworten auf die ökologischen und sozialen Herausforderungen der Krise.

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Jutta Sundermann: „Wir fordern mit neuem Rückenwind, dass diejenigen, die Jahrzehnte lang von den liberalisierten Finanzmärkten profitiert haben, für die Kosten der Krise aufkommen. Und wir fordern, endlich eine echte Wende einzuleiten – hin zu einem Wirtschaftssystem, das den Menschen dient und nicht der Rendite. Ein Weiter so darf es nicht geben.“

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